Vice Golf

Making Golf Great Again


Vice Golf setzt auf den digitalen Markt und ist längst vom coolen Startup zum ernstzunehmenden, noch cooleren Player der globalen Golfartikelindustrie gereift. Nun wollen die Jungs aus München nichts geringeres, als eine ganze Branche gehörig aufzumischen.

Von: Martin Angerer

„Oh my, golf is so old-fashioned!“ Wer kennt sie nicht, die vermeintlich Unwissenden, die den geneigten Golf-Aficionado – halb von Mitleid erfüllt, halb verachtend – mit ihrer Meinung tatsächlich kränken können. Auch wenn es wehtut: Ganz kann man ihnen ihre Meinung über einen der großartigsten Zeitvertreibe der Menschheitsgeschichte nicht verübeln. Denn unser Sport wird von Außenstehenden in der Regel nicht als solcher identifiziert, ist auch für Eingeweihte angestaubt und wirkt für alle Beteiligten immer noch peinlich elitär, zumindest im deutschsprachigen Raum.

Vice Golf sorgt in dieser Zeit höchster Ernüchterung für frischen Elan, den es mitzunehmen gilt: Das junge Start-Up aus München schickt sich an, die gesamte Golfartikelbranche zu revolutionieren. Man setzt auf hochwertige Golfbälle, die zu günstigen Preisen über das Internet bestellt werden können, und eine richtig coole Markenidentität, die sich an der Lebensrealität der Menschen ab 20 orientiert.

Im Unternehmen selbst vergleicht man die althergebrachten Big Players der Branche mit „Dinosauriern,“ die seit gefühlter Ewigkeit am immer selben Vertriebskonzept der gesamten Golfbranche festhalten, wie andere an schnöden Reglements und eitlen Etiketten, die junge Spieler von den Golfplätzen vertreiben. „Die bekannten Marken produzieren, zeigen ihre Neuheiten dann auf Fachmessen einem Fachpublikum und ein paar Monate später gibt es diese dann im Pro-Shop oder Fachhandel für den Endkunden zu kaufen. Beworben werden die Produkte auf allen bekannten Kanälen, vor allem aber durch teure Sponsorings der Profis. Die einzelnen Stufen im Vertrieb und Marketing kosten natürlich viel Geld, das die Hersteller am Ende gerne auf den Kunden umlegen. Gerade bei Golfbällen macht sich das bemerkbar,“ erklärt Co-Gründer Rainer Stöckl im Gespräch. In der Tat sind Verkaufspreise von 4 bis 6 Euro pro Ball bei den Premium-Marken weniger die Ausnahme, als vielmehr gängige Regel.

Hohe Preise und das starre Vertriebskonzept gaben für Rainer Stöckl und Ingo Düllmann den Ausschlag, selbst den Markt aufzumischen. Die beiden Juristen kündigten ihre gut bezahlten Jobs und gründeten Vice Golf. Was als wagemutige Idee begann und skeptische Stimmen hervorrief, entpuppte sich bald als zukunftsträchtig – und vielleicht beispielhaft dafür, wie sich der Sporthandel neu erfinden kann. Das Geschäftsmodell ist simpel: Hochwertige Produktion von Golfbällen erster Güte und Direktvertrieb über das Internet. Der Golfer erhält somit Premium-Bälle zu deutlich günstigeren Preisen direkt nach Hause geliefert, wenn er größere Stückzahlen (vicegolf.com) ordert, den besten Preis gibt es ab 60 Stück. „Unsere günstigeren Preise kommen zustande, da wir keine Zwischenhändler mitversorgen. So vermeiden wir unnötige Kosten und es gelingt uns, dieselbe Qualität wie andere Premium-Marken anzubieten, jedoch zu empfindlich günstigeren Preisen“, erklärt Ingo Düllmann das Konzept. In der Tat erscheint dies alles sehr gut durchdacht, und auch die Bestellmenge von fünf Dutzend Bällen entspricht der durchschnittlichen Verbrauchsmenge eines Golfers pro Saison.

Es bleibt die Frage nach der Qualität im direkten Vergleich mit den seit Jahrzehnten am Markt etablierten Marken. „Ohne absolute Premium-Qualität hilft auch kein attraktiver Preis, denn Golfer sind eine sehr kritische, anspruchsvolle Zielgruppe“, so Rainer Stöckl. Unabhängige Tests geben ihnen Recht: Die renommierte US-Zeitschrift Golf Digest hat Vice-Bälle bereits mehrfach auf ihrer jährlich erscheinenden „Hot List“ mit dem Gold-Siegel ausgezeichnet. Eine höhere Kategorie gibt es nicht.

Die Vice-Premium-Modelle tragen allesamt eine extrem dünne und griffige Cast-Urethan-Außenschicht für ein gutes Gefühl im Treffmoment und hohe Spinrates im kurzen Spiel. Zudem gibt es Farbvarianten wie Neon-Lime und Neon-Red, knalliges Gelb oder leuchtendes Rot. Ob Vice Pro, Pro Plus oder Pro Soft: ein Online-Ball-Fitting gibt anhand von sechs Fragen die passende Empfehlung. Ab 12 Bällen gibt es weitere  Individualisierungsmöglichkeiten. Auf der Webseite kann man Firmenlogos, Urlaubsfotos oder andere kuriose Motive auf die eigenen Golfbälle drucken. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Dinosaurier?