Autsch – auch Golfer verletzen sich


Im Vergleich zu Kontaktsportarten wie Fußball scheinen die Verletzungen im Golf eher von der harmlosen Sorte zu sein. Doch auch auf dem Fairway verletzt sich manch einer – und auch abseits des Platzes kann man sich außer Gefecht setzen.

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Eigentlich geht es nicht um Tiger Woods. Aber wenn man von Verletzungen bei Golfern spricht, kann man die ehemalige Nummer eins der Welt eigentlich nicht außen vor lassen. Woods, mittlerweile in seinen 40ern wurde innerhalb von zwei Jahren drei Mal am Rücken operiert und scheint erst seit der Saison 2018 wieder fit zu sein.

Der Rücken scheint ganz allgemein die Achillesferse vieler Golfprofis und Amateure zu sein. Ein Grund: Die eher einseitige Schwungbewegung ist laut Meinung zahlreicher Ärzte und Physiotherapeuten nicht das Allerbeste für den Körper. Aber seien wir mal ehrlich: Täglich acht und mehr Stunden vor einem Bildschirm zu sitzen sicherlich auch nicht. Doch gerade bei den Profis, die im Schnitt mit Schlägerkopfgeschwindigkeiten von 105 bis125 mph beim Drive an den Ball kommen, wirken enorme Kräfte auf den Körper. Selbst extrem fitte Profis bekommen aufgrund der starken Rotation ab und an Probleme mit den Bandscheiben. Woods ist nur ein Beispiel. Auch Altmeister Fred Couples und Jason Day kämpfen seit Jahren mit Rückenschmerzen.

Die Lösung ist für viele ein spezifisches Workout, das auf ausgleichende Elemente setzt. Neben Krafttraining stehen dabei Stabilitätsübungen und die Festigung der so genannten Core-Muskulatur, der Körpermitte, auf dem Programm. Rory McIlroy hatte bereits mit 19 Rückenprobleme und nahm diese zum Anlass, mit Fitness zu beginnen. „Mir wurde damals klar, dass es nicht besser werden würde, wenn ich nicht anfange, besser auf mich aufzupassen.“ Aus dem eher pummeligen Nordiren mit langen Locken wurde ein Athlet, der von seinem Hauptsponsor Nike in einer Reihe mit Michael Jordan oder Roger Federer präsentiert wird.

 

4 and a half and 3 and a half weeks ago respectively… I’ve come a long way since.

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Fußballspielen und Skifahren als Ausgleich?

Doch nicht nur der Sport an sich kann zu Verletzungen führen. Die Hobbys sind oft das Problem. Oder einfach Pech. McIlroy verpasste als Weltranglistenerster die Open 2015 wegen einem Bänderriss, den er sich beim Fußballspielen mit Freunden zuzog. Miguel Angel Jiménez brach sich 2012 das Bein beim Skifahren in den Bergen der Sierra Nevada und musste im Anschluss mehrere Monate zwangspausieren. Und Dustin Johnson ging als Favorit beim Masters 2017 an den Start, rutschte dann aber auf der Treppe seines angemieteten Hauses aus und musste mit einer Rückenprellung seinen Start absagen. Bereits 2012 hatte der Vorzeigeathlet das erste Major des Jahres verpasst: Der Rücken machte nicht mit, allerdings hatte er sich damals beim Herausheben eines Jet-Skis aus dem Wasser verletzt (so zumindest die offizielle Version …)

Aber es gibt noch ganz andere Missgeschicke. Sogar beim Jubeln kann man sich verletzen! Ganz vorne dabei: Thomas Levet. Der Franzose gewann 2011 die Open de France und sprang im Anschluss unter „Allez hop“-Rufen in den Wassertümpel an der 18. Bahn. Dabei brach er sich das rechte Schienbein – der Rest der Saison fiel damit buchstäblich ins Wasser.

Ganz allgemein gilt auch für die Profis: Sport ist Mord. Naja, zumindest im übertragenen Sinn. Denn so gut die Damen und Herren auf den Profi-Touren der Welt den Ball vom Tee zum Grün hämmern, so normalsterblich agieren sie in anderen Sportarten. Beispiele gefällig? Darren Clarke zog sich in der Saison 2013 beim Tennisspielen eine Oberschenkelzerrung zu und fiel mehrere Wochen aus. Ernie Els erwischte es 2005 beim Bootfahren: Er blieb auf dem Deck mit dem Fuß an einer Verankerung hängen und musste im Anschluss gleich zwei Mal am Knie operiert werden. Rund ein halbes Jahr kostete ihn der Unfall. Seiner Meinung nach auch einige Major-Titel, denn es dauerte weitere Monate, bis „Big Easy“ sich wieder zu 100 Prozent durch den Ball bewegen konnte. Die Mobilität war längst zurück, doch der Körper wollte einfach nicht die so wichtige Bewegung nach vorne umsetzen.

Von tödlichen Schneebällen und stürzen vom Kamel

Kuriose Unfälle und Verletzungen gefällig? Aber sicher, auch diese gibt es. John Daly versuchte 2007 bei der Honda Classic, seinen Schwung abzubrechen, da er von einer Zuschauerin fotografiert wurde und ihn das Klicken der Kamera gestört hatte. Doch der Versuch misslang: „The Wild Thing“ schlug hinter den Ball in den Boden, brach sich dabei zwei Rippen an und verletzte sich an der Schulter. Einige Jahre später versuchte Daly erfolglos, die Tour zu verklagen. Noch skurriler: Der britische Pro Oliver Wilson fuhr 2013 nicht mit zum jährlichen Ski-Trip, um eine mögliche Verletzung zu vermeiden. Er blieb zu Hause, brach sich dann aber bei einer Schneeballschlacht das Handgelenk, als er einem „tödlichen Schneeball“ ausweichen wollte. Welch Ironie des Schicksals!

Dazu ein Witz: Warum soll man bei einem Gewitter ein Eisen 1 in die Luft halten? Weil nicht mal der Liebe Gott ein 1er Eisen trifft! Ein Eisen 1 hat kaum noch ein Pro im Bag. Blitz und Donner sind für Golfer aber immer noch gefährlich. Lee Trevino und sein Spielpartner wurden 1975 auf einem Turnier vom Blitz getroffen. Beide mussten ins Krankenhaus, waren aber so gut wie unverletzt. Dramatischer verlief der Vorfall bei Retief Goosen. Der Südafrikaner wurde als 15-Jähriger ebenfalls vom Blitz getroffen. Nach dem Einschlag war er bewusstlos, seine Kleidung komplett verbrannt. Sogar die Schuhe waren geschmolzen. Goosen überlebte nur knapp, sein Wesen veränderte sich jedoch. Sein Vater sagte damals: „Er kam als demütigere und deutlich ruhigere Person aus dem Krankenhaus zurück.“ Kein Wunder, dass sein Spitzname in den USA „Iceman“ lautet.

Auch PR-Termine können unglücklich enden. Bei der Abu Dhabi HSBC Golf Championship 2014 durften einige Spieler mit Kamelen ausreiten. Ein paar witzige Fotos entstanden, mit denen man das Turnier bewerben konnte. Thorbjørn Olesen hat nicht ganz so angenehme Erinnerungen an den Ausflug: Der Däne fiel vom Höcker und landete unsanft im Sand. Die Folge: Zwei Monate Spielpause.