Gesunder Genuss


Die überwiegende Mehrheit der Golfer genießen ihren Sport. Wie man den „Genussfaktor“ im Golf aus medizinischer Sicht weiter erhöhen kann, erklären die Verbandsärzte Doz. Dr. Bernhard Zwick und Dr. Robert Kocher.

Von:

PERFECT EAGLE: Was können Golfer aus medizinischer Sicht tun, um den Genuss am Golfspiel zu steigern?

Kocher+Zwick: Besonders im Verhalten nach der Golfrunde sehen wir bei vielen Spielern Potentiale zur Verbesserung. Das Aufwärmen und die Vorbereitung auf die Runde oder das Training auf der Range wird bereits von den meisten Golfern sehr kompetent durchgeführt. Nach der Runde aber sehen wir große Potentiale. Es geht um die Regeneration.

Welche Möglichkeiten zur besseren Regeneration gibt es nach einer Runde?

Wir wollen vier Aspekte hervorheben, die wir aus sportmedizinischer Sicht für sehr wertvoll halten.

Erstens, der mentale Aspekt:

Unmittelbar nach dem Sport ist es für den Körper und das Gehirn wichtig, sich mit positiven Ereignissen zu beschäftigen. Im Clubhaus werden meist vergebene Chancen diskutiert. Dabei wäre es besser, sich gute Schläge in Erinnerung zu rufen und diese Situationen (ein gelungener Drive, ein starker Pitch oder ein gelochter anspruchsvoller Putt) in Ruhe noch einmal durchzugehen. Auch das Berichten von diesen schönen Ereignissen (dazu gehören natürlich auch Ausblicke, Begegnungen mit Tieren usw.) fällt in dieses Thema. Es geht darum, positive Empfindungen noch einmal zu erleben. Im Kreis der Freunde darf die Erwähnung von „Hopplas“ natürlich nicht fehlen, diese sind aber eher positiv belustigend zu bewerten. Kurz gesagt, es geht um positive Emotionen, die Golfern in der Regeneration helfen.

Zweitens, der technische Aspekt:

Auf einer Golfrunde verlieren selbst Könner immer wieder einmal ihr Schwunggefühl oder ihren Schwungrhythmus. Nicht nur für das emotionale Wohlbefinden, sondern auch zur Pflege der eigenen Golftechnik sollte man in diesem Fall nach der Runde gleich auf die Range oder das Puttinggrün gehen und einige Bälle schlagen oder putten. Schon nach kurzer Zeit wird sich das gewohnte Gefühl wiedereinstellen, und man kann sich zufrieden und erwartungsvoll auf die nächste Runde Golf freuen.

Die körperliche Regeneration und die Ernährung sind die Aspekte drei und vier.

Der körperliche Aspekt erscheint da wohl am Wichtigsten.

Ja, natürlich ist nach einer anstrengenden Vier-Stunden-Runde die körperliche Regeneration wichtig, aber man sollte den mentalen, den technischen und den Aspekt der Ernährung nie unterschätzen und vernachlässigen.

Zunächst zur körperlichen Regeneration.

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen für den Körper, die sinnvoll und leicht anzuwenden sind. Die Regeneration wird in den meisten Sportarten viel zu wenig beachtet.

Es gibt die Möglichkeit mit Wasser (Duschen, Bäder, Kneippen) die Körpertemperatur zu regeln und den Stoffwechsel zu beschleunigen.

Auch mit Luft (Sauna, Dampfbad, Kältekammer) kann man die Stoffwechselprozesse des Körpers positiv beeinflussen.

Leichtes aktives oder passives Dehnen, Foam-Roll (Faszien-Techniken) und Massagen stellen weitere Möglichkeiten des regenerativen Trainings dar. Zu beachten ist hier, dass man nicht unmittelbar nach dem Golf, sondern cirka 60 Minuten nach der Belastung beginnt regenerative Maßnahmen zu setzen. Der Körper braucht Zeit, um Mikro-Verletzungen zu reparieren.

Auch technische Hilfsmittel, wie Elektro-Therapie-Geräte (inkl. EMS) und Lichttherapie bieten hier, richtig angewendet, hervorragende Regenerationsprogramme. Auch diese Maßnahmen sollten frühestens 60 Minuten nach der Belastung durchgeführt werden.

Was gibt es bei der Ernährung zu beachten?

Ganz einfach. Was auf der Runde oder beim Training verbraucht wird, muss möglichst rasch und in hoher Qualität zugeführt werden.

Das heißt?

Wir brauchen Wasser, viele Mineralstoffe und Vitamine (Obst, Gemüse, Salate) und für den Muskelaufbau Eiweiß, sowohl tierisches als auch pflanzliches.

Gibt es etwas, das man vermeiden sollte?

Ja. Die ersten 45 Minuten nach jeder sportlichen Belastung sind besonders wichtig. Der Körper schüttet nämlich nach der Belastung Testosteron (männliches Geschlechtshormon) aus, um den Muskelaufbau und die Reparatur zu beschleunigen. Das gilt übrigens auch für Frauen. Trinkt man kurz nach der Belastung Alkohol, wird der Testosteronspiegel deutlich gesenkt, und die Regeneration des Körpers verzögert sich. Unsere Empfehlung daher: Zuerst ein paar Bälle schlagen, Bag ins Auto dann Duschen, ein Glas Wasser und wenn die Zeit gekommen ist, eventuell genüsslich ein Glas Bier oder Wein trinken und die Golfrunde positiv besprechen.

Buddhistische Mönche streifen auf ihem täglichen Spatziergang durch die Strassen.
Buddhistische Mönche streifen auf ihem täglichen Spatziergang durch die Strassen.