Schlierenzauer:
Perfekter Adler

 Mit Golf zu den Olympischen Spielen


53 Weltcup-Einzelsiege, 10 Weltmeistertitel, 2 Weltcup-Gesamtsiege, 2 Triumphe bei der Vierschanzen-Tournee sowie Gold im Teambewerb bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver – das ist in Auszügen die beeindruckende Erfolgsbilanz von Gregor Schlierenzauer. Wir trafen den Ausnahmeathleten zeitig in der Früh am Golfplatz Seefeld-Wildmoos und sprachen mit ihm über die Gemeinsamkeiten von Skispringen und Golf, mentale Stärke und die wahre Bedeutung von Genuss.

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Nach vielen Höhen und so manchen Tiefen, die das sportliche Märchen eines der weltweit überragenden Skispringers schrieben, hat der 27-jährige Tiroler in den kommenden Monaten nur einen Herzenswunsch vor Augen: Wieder zu gewinnen. Im besten Fall soll natürlich Gold bei den Olympischen Spielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang seiner einzigartigen Karriere die Krone aufsetzen. Um diesen Traum zu verwirklichen, geht er in der Vorbereitung einen neuen Weg – mit Golf zu den Olympischen Spielen!

Golf und Skispringen – zwei völlig unterschiedliche Welten. Wo gibt´s da Gemeinsamkeiten?

Gregor Schlierenzauer: Auf den ersten Blick für viele, ja ich würde sogar sagen die meisten, unergründlich. Blickt man – zumindest aus meiner Sicht – jedoch hinter die Kulissen dieser beiden Sportarten eröffnen sich spannende Gemeinsamkeiten. Besonders natürlich im mentalen Bereich. Man kann es ohne die perfekte Vorbereitung nicht erzwingen, gut zu sein. Du musst es im entscheidenden Moment einfach geschehen lassen. Wenn man diesen Mut hat und ganz locker ist, funktioniert sowohl der perfekte Golfschlag oder eben der perfekte Sprung. In beiden Sportarten entscheiden Bruchteile von Sekunden – da der perfekte Treffmoment, dort der perfekte Absprung – über Erfolg oder Misserfolg. Letztendlich liegt alles im mentalen Bereich.

Ist dieses Erlebnis auch spürbar?

Gregor Schlierenzauer: Selbstverständlich. Du musst nur bereit sein, im richtigen Augenblick alles zu geben, alles zu riskieren, wirklich alles aus dir rauszulassen. Fliegt der Golfball so richtig nach Wunsch, geht ein Gefühl der Zufriedenheit durch deinen Körper. Auch wenn man beim Springen ins Fliegen kommt, sind das extreme Glücksgefühle. Du spürst, dass sich das Risiko gelohnt hat. Und wenn ich dann noch einen sauberen Telemark setze und die Faust zum Ausdruck meiner Zufriedenheit balle, war der Sprung gut. Darum geht’s mir mittlerweile. Schispringen ist etwas Wunderschönes. Der wahre Genuss ist, einen perfekten Sprung zu machen. Das Gewinnen ist dann nur die Folge daraus. Gelingen mir diese Sprünge in einem Wettkampf zweimal, dann bin ich ganz vorne dabei, stehe ich vielleicht sogar ganz oben am Podest.

Für viele Besucher am Golfplatz mag es verwunderlich erscheinen, dass ein Spitzensportler wie du mit einem Golf Cart unterwegs ist. Der eine oder andere hält das sicher für unsportlich.

Gregor Schlierenzauer: Das mag schon stimmen, aber ich absolviere die meisten meiner Golfrunden zeitig in der Früh und hab dann noch täglich zwei beinharte Trainingseinheiten vor mir. Laufe ich wie hier in Seefeld vier Stunden bergauf und bergab, dann macht am Nachmittag in der zweiten Trainingseinheit der Muskel zu. Ich bin ja kein Ausdauersportler. Der Erfolg im Skispringen liegt in der mentalen Stärke sowie natürlich auch in der Sprungkraft, die ja auf Sekundenbruchteile in voller Kraft abrufbar sein muss. So gesehen bin ich Andreas Heger (www.prochaska.eu) sehr dankbar, dass er mir ein supermodernes Cart zur Verfügung stellt, das ich auf einem kleinen Hänger hinter meinem Audi von Golfplatz zu Golfplatz mitnehmen kann.

Wie sieht denn Deine Vorbereitung auf eine Golfrunde aus?

Gregor Schlierenzauer: Da gibt’s einmal schon sehr, sehr früh ein ausgiebiges Frühstück, das mir viel bedeutet. Da lass ich mir auch richtig Zeit und richte mir auch alles selber her angefangen vom Schneiden der frischen Früchte. Die Energie, die ich da tanke, ist die Grundlage für einen erfolgreichen Tag. Dann hoffe ich immer auf einen Partner, der mich auch richtig fordert, für ein echtes Match am Platz zu finden. Da kann ich mich voll konzentrieren, meinem Ehrgeiz freien Lauf lassen. Einer meiner Lieblingsgegner ist da mein Manager Hubert Neuper. Der spielt zwar ein gepflegtes Handicap sieben – und es ist mir immer wieder eine große Freude ihn zu biegen. Ich weiß aber, wie schwer er sich gegen mein hohes Handicap tut. Deshalb spiel ich statt mit 30 ohnedies mit 25, also gibt er mit pro Loch einen Schlag vor. (Anmerkung der Redaktion: Gregor Schlierenzauer gewinnt mit einer starken Runde auch den Flight auf den wir ihn begleitet haben)

Warum zählt Seefeld-Wildmoos zu deinen Lieblingsplätzen?

Gregor Schlierenzauer: Die Ruhe und besonders die etwas dünnere Luft am höchst gelegenen Golfplatz Österreichs taugen mir besonders, fördern mein Glücksgefühl und sind damit ein guter Start in einen glücklichen Tag. Da fällt einem dann das beinharte Training gleich viel leichter. Zudem verbindet mich gerade mit Seefeld, wo ich ja auch sehr viel trainiere, schon seit vielen Jahren eine gewisse Zuneigung. Jetzt heißt es einmal von Seefeld nach Südkorea, vom Golfplatz auf die Olympiaschanzen. Doch in Seefeld steigt von 20. Februar bis 3. März 2019 auch meine Heim-WM, bei der die Großschanzen-Bewerbe am Berg Isel stattfinden werden. Bis dahin wird aber noch viel Wasser den Inn hinunterrinnen. Meine volle Konzentration gilt jetzt erst mal der nächsten Saison mit dem Highlight Pyeongchang. Ich will wieder in die Form kommen, dass ich um Gold mitspringe.

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